Die westliche Numerologie arbeitet mit Zahlen. Die tibetische arbeitet mit Zahlen und Farben. Ihre zentrale Größe heißt Mewa – ein System aus neun Feldern, das jedem Geburtsjahr eine Zahl und eine Farbe zuordnet.
Die tibetische Astrologie ist ein eigenständiges System, das Einflüsse aus Indien und China aufgenommen und über Jahrhunderte zu etwas Eigenem verbunden hat. Sie wird traditionell in Klöstern gepflegt und war lange Teil der medizinischen Ausbildung.
Ihr Kern besteht aus mehreren Elementen. Eines davon ist die Mewa-Zahl, auf Tibetisch sme ba, was wörtlich Muttermal oder Zeichen bedeutet. Sie wird aus dem Geburtsjahr abgeleitet und beschreibt eine Grundschwingung – die Art, wie ein Mensch auf das Leben trifft.
Anders als in der westlichen Numerologie steht hinter jeder Zahl eine Farbe, und die Farbe trägt einen Teil der Bedeutung.
1 Weiß: Der Anfang. Klarheit, Reinheit, ein unverstellter Blick. Menschen mit dieser Mewa wirken oft jünger, als sie sind, und behalten eine gewisse Unbefangenheit.
2 Schwarz: Die Tiefe. Nicht negativ gemeint – Schwarz steht für das Verborgene, für Wissen, das unter der Oberfläche liegt. Diese Mewa bringt Ernsthaftigkeit und eine frühe Berührung mit den schweren Themen des Lebens.
3 Blau: Der Fluss. Beweglichkeit, Kommunikation, Anpassung. Menschen mit der blauen Mewa finden Wege, wo andere Mauern sehen.
4 Grün: Das Wachstum. Fruchtbarkeit im weitesten Sinne – Ideen, Projekte, Beziehungen. Diese Mewa bringt Schaffenskraft und den Drang, etwas entstehen zu lassen.
5 Gelb: Die Mitte. Die zentrale Mewa, verbunden mit Fülle und Verantwortung. Sie gilt als kraftvoll und zugleich fordernd, weil sie den Ausgleich zwischen allen anderen halten muss.
6 Weiß: Die Weite. Eine zweite weiße Mewa, aber anders gefärbt als die 1: Hier geht es um Großzügigkeit, Schutz und die Fähigkeit, andere zu tragen.
7 Rot: Die Kraft. Durchsetzung, Leidenschaft, Bewegung. Diese Mewa bringt Energie mit, die geführt werden will – ungerichtet wird sie zu Konflikt.
8 Weiß: Die Vollendung. Die dritte weiße Mewa steht für Reife, Beständigkeit und das, was bleibt. Sie gilt als besonders günstig für langfristige Vorhaben.
9 Rot: Die Ausstrahlung. Sichtbarkeit, Einfluss, Wirkung nach außen. Menschen mit dieser Mewa werden bemerkt, ob sie wollen oder nicht.
Die Mewa läuft in einem Neunerzyklus rückwärts durch das Geburtsjahr – jedes Jahr eine Zahl weniger, nach der 1 folgt wieder die 9.
Weil die traditionelle Berechnung auf dem tibetischen Kalender beruht und dieser dem westlichen weder im Jahresbeginn noch in der Zählung entspricht, lässt sich die Mewa nicht zuverlässig mit einer Faustformel im Kopf ermitteln. Seriöse Berechnungen greifen auf Kalendertabellen zurück.
Wichtig zu wissen: Das tibetische Jahr beginnt zu Losar, dem tibetischen Neujahr, das je nach Jahr zwischen Februar und März liegt. Wer davor geboren ist, gehört noch zum Vorjahr.
Drei Punkte fallen auf.
Erstens die Farbe. Im Westen trägt die Zahl allein die Bedeutung, im tibetischen System ist die Farbe gleichwertig – deshalb gibt es drei weiße Mewa, die sich deutlich unterscheiden.
Zweitens der Bezug. Die westliche Numerologie arbeitet mit Geburtsdatum und Name, also mit dem Individuum. Die tibetische arbeitet mit dem Jahr und ordnet den Menschen damit stärker in einen größeren Zyklus ein.
Drittens der Zweck. Im Westen dient Numerologie meist der Selbsterkenntnis. In der tibetischen Tradition ist sie eingebettet in ein System, das auch Gesundheit, Zeitpunkte und rituelle Fragen umfasst.
Die Mewa beschreibt eine Grundschwingung. Sie beschreibt nicht deinen Weg, deinen Antrieb oder deine Wirkung.
Deine Lebenszahl beschreibt den Weg. Deine Seelenzahl beschreibt, was dich antreibt. Deine Ausdruckszahl beschreibt die Wirkung. Das chinesische Element deines Geburtsjahres beschreibt deinen Grundton. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.
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Schwarz steht in der tibetischen Symbolik für das Verborgene und für Tiefe, nicht für Unglück. Die Farbzuordnung folgt einer anderen Logik als die westliche.
Nur eingeschränkt. Weil die Berechnung auf dem tibetischen Kalender beruht und das Jahr zu Losar wechselt, brauchst du für ein verlässliches Ergebnis eine Kalendertabelle oder eine Berechnung, die den tibetischen Jahresbeginn berücksichtigt.
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